Pfingsten

Es ist noch eine kleine Zeit, dann wird mich die Welt nicht mehr sehen. Ihr aber sollt mich sehen, denn ich lebe und ihr sollt auch leben.Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

 

Liebe Gemeinde,

 

wie bei einer Hochzeit?
 

was Jesus hier in den Abschiedsreden des Johannesevangeliums sagt, erinnert mich irgendwie an eine Hochzeit: Da ist gegenseitige Liebe, das ist ein Ja-Wort, da ist der Wunsch, zusammenzuziehen, - ganz wie bei einem Brautpaar.

Nur: Dass sich der Bräutigam durch einen anderen vertreten lässt, das will nicht so recht ins Bild passen… Aber ist es denn so? Ist der Tröster, von dem Jesus hier spricht, eine andere Person, ein Fremder, der in dieser Liebesbeziehung eigentlich nichts zu suchen hat?

Nein, offenbar nicht. Der Tröster, der Heilige Geist, ist kein Störfaktor, sondern das Gegenteil, durch ihn wird die Beziehung erst fest und beständig.
 

die Trennung wird aufgehoben
 

Wir müssen bedenken, dass Jesus, von etwas spricht, was nach seinem Tod geschehen wird. Er selbst wird zurückkehren zu seinem Vater im Himmel.

Er wird also von seinen Freunden entfernt sein, - aber diese Trennung – sagt er, - wird aufgehoben durch jenen geheimnisvollen Tröster, durch den Heiligen Geist.

  • Aus dem Abstand wird Nähe, aus dem Mangel wird Gewinn, aus dem Minus wird Plus.
  • Sie sind nicht verlassen, - Jesus wird ihnen näher sein als je zuvor.
  • Sie sind nicht allein, nicht auf sich selbst gestellt, - sie werden göttlichen Beistand haben.
  • Sie müssen sich nicht schutzlos, hilflos und ratlos vorkommen, - nein, der Heilige Geist wird ihnen die innere Gewissheit geben, dass sie unmittelbar mit Gott verbunden und „von guten Mächten wunderbar geborgen“ sind.
genau das, was wir brauchen
 

Der Heilige Geist ist genau das, was die Jüngerinnen und Jünger brauchen werden, wenn Jesus nicht mehr bei ihnen ist. - Auch wir brauchen ihn. Auch wir dürfen diese wunderbare Gabe Gottes für uns erbitten und unsere Herzen für sie öffnen.

Etwas Besseres kann uns gar nicht passieren als diese innere Anbindung an den Ursprung des Lebens, den Ewigen und Allmächtigen, unseren Schöpfer. Da wird unser Leben heil. Und umgekehrt: Kommt nicht all das Leid und Unheil in der Welt von daher, dass die Menschen diese innere Anbindung an den Schöpfer verloren haben?

Es ist also durchaus angebracht zu bitten: „Komm, heiliger Geist, stell die Verbindung her zwischen Menschen und Gott, - damit Gerechtigkeit und Frieden sich überall ausbreiten, und die Schöpfung sich erholen darf von Raubbau und Zerstörung!“
 

Schüler sein, von Jesus lernen
 

Offenbar hatten die Jünger noch nicht ausgelernt, als Jesus von ihnen Abschied nahm. Er kündigte ihnen einen neuen Lehrer an, bei dem sie weiter lernen sollten, den Heiligen Geist. Der soll sie erinnern – an das, was Jesus gesagt hat.

Auch wir bleiben Schüler, auch wir müssen immer wieder erinnert werden an Jesu Worte, damit die Verbindung mit ihm nicht abreißt. Und wir werden uns ja auch gerne erinnern lassen, wenn uns Jesus etwas bedeutet: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten“.

Als Schüler lernt man das am besten, was einen interessiert und wo man mehr darüber erfahren möchte. Darum ist es wichtig, das Interesse an Jesus wachzuhalten, in der Bibel zu lesen, über seine Worte und Taten nachzudenken. Und nicht zuletzt auch zu bitten „Heiliger Geist, sei du mein Lehrer. Lass mich dein Schüler sein und bleiben. Wecke in mir den Wunsch, mehr von Jesus zu erfahren. Entzünde in mir das Feuer deiner Liebe. Verwandle und erneuere mich, dass ich Jesus nachfolge und ihm ähnlich werde!“
 

lebendig bleiben
 

Es geht darum, lebendig zu bleiben in einer Welt, die dem Tod verfallen ist. Nicht nur körperlich lebendig zu bleiben, sondern auch in den vielerlei Beziehungen, in denen wir leben: in der Beziehung zueinander, zu Menschen und Dingen, oder auch zu uns selbst und zu Gott. Es gibt so viele Zwänge, die die Lebendigkeit ersticken lassen. Es gibt so viele Ängste, die uns lähmen bis hin zur völligen Erstarrung.

Der Heilige Geist hilft uns lebendig und beweglich zu bleiben, - egal, wie alt oder jung wir sind. Der Heilige Geist verbindet uns mit der Quelle des Lebens, mit dem, der zu uns sagt: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben!“ – und da ist ein Leben gemeint, das auch der Tod nicht zerstören kann, das Leben der Auferstehung.

Darum: Komm Heiliger Geist! Erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe! Amen.