Sonntag vor der Passionszeit

14.02.2021, Sonntag vor der Passionszeit, Kurze Predigt über Jes 58,5-7 von Pfr. Weiskopf

Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat? Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

 

Liebe Gemeinde,

 

„Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft“, sagt man. Beziehungen kann man pflegen mit einer kleinen Aufmerksamkeit hier und da. Heute am Valentinstag ist das für viele ein Thema. Auch unsere Beziehung zu Gott will gepflegt sein. Aber was können wir ihm geben, damit er uns wohlgesonnen bleibt? - Ein Gebet, einen Dank, einen Gottesdienstbesuch, eine Spende, - oder überhaupt ein „anständiges Leben“? Wie können wir Gott zufriedenstellen, – wie können wir Genugtuung leisten für den einen oder anderen Fehltritt, den wir uns vielleicht erlaubt haben?

Die Menschen damals haben es mit FASTEN probiert. An bestimmten Tagen verzichteten sie auf alle möglichen Bequemlichkeiten. Da waren sie ´mal für kurze Zeit streng mit sich selbst, - und dann war ihr Gewissen wieder beruhigt, dann konnten sie sich wieder gehen lassen, - bis zum nächsten Fasttag.

Solche Fasten-Aktionen kann man schon machen, - um das eigene Gewissen zu beruhigen, oder vielleicht auch, wenn die Waage wieder zu viel anzeigt, - aber: Wird sich GOTT dadurch wirklich beeindrucken lassen? Können wir ihn etwa „abspeisen“ oder „bestechen“ mit irgendwelchen frommen Übungen, - die wir dann doch letztlich für uns selber tun?

Unser Predigtabschnitt aus dem Jesajabuch erinnert uns daran, dass bei Gott nur das zählt, was wir FÜR ANDERE tun. Er achtet darauf, wie wir mit unseren Mitmenschen umgehen. Und zwar vor allem, wie wir mit denen umgehen, die irgendwie auf uns angewiesen sind: Familienmitglieder, Nachbarn, Arbeitskollegen,…

Wir können es ihnen leichter machen oder schwerer, wir können ihnen eine Hilfe sein oder eine Last, wir können sie beachten oder nicht. Vielleicht gibt es Menschen, die wir unsere Ablehnung spüren lassen, Menschen, die wir ungerecht behandeln. Und wir denken vielleicht sogar dabei: „Ich hab ein Recht, so zu handeln.“ Oder wir sagen: „Die Person hat es verdient, dass ich so mit ihr umgehe.“

Aber da sind die Worte unseres Bibelabschnitts doch sehr klar und eindeutig: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! Gott will also, dass wir niemand benachteiligen, sondern jeden achten und zu seinem Recht kommen lassen. Wir sollen auch denen vergeben, die uns Unrecht getan haben, wir sollen unsere Vorbehalte fallen lassen, wir sollen auch unsere Macht und unseren Vorteil nicht ausnutzen, sondern fair miteinander umgehen, - wenn wir das tun, DAS wäre dann – so sagt es der Prophet - ein Fasten, wie Gott es von uns haben will!

Freilich gibt es auch viele Ungerechtigkeiten, an denen wir als einzelne nichts ändern können, wo viele zusammenhelfen müssen, um etwas zu ändern:
z.B. dass Männer, Frauen und Kinder in ärmeren Ländern für uns hart arbeiten müssen und für ihre Arbeit nur einen Hungerlohn kriegen. Oder dass Flüchtlinge unter unmenschlichen Bedingungen in Zelten leben müssen, weil sie bei uns nicht aufgenommen werden. Oder dass Menschen in unserer Gesellschaft benachteiligt werden: Frauen, ethnische oder sexuelle Minderheiten usw.

Bei diesen Problemen sind die Politiker gefragt, - aber wir können da Entscheidungen mit beeinflussen mit unserem Wählervotum, oder damit, was wir kaufen und konsumieren. Wir sollen dazu beitragen, dass Gottes Wille geschieht, - wie im Himmel, so auf Erden.

Wenn also in dieser Woche die Fasten- oder Passionszeit beginnt, - dann lasst uns doch auf die Weise fasten, dass wir ganz bewusst an andere denken und etwas für sie tun! In Gottes Namen. Amen.

Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht, und das Wort, das wir sprechen als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt. (091,1)