Karfreitag

02.04.2021 Karfreitag, Kurzpredigt zu Jesaja 53,4-6 von Pfr. Weiskopf

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.
Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.

 

Liebe Gemeinde,

 

bekannterweise „ist man hinterher immer klüger“:
Da ist von jemand die Rede, der gestorben ist, - und erst danach haben die Hinterbliebenen erkannt, wie wertvoll und wichtig er für sie war. Die Betroffenheit darüber wird in dem Nachruf durch das Wort „Fürwahr“ zum Ausdruck gebracht:
Fürwahr, er war gar nicht selber schuld an seinem Schicksal, - nein, uns zugute hat er gelitten, für uns ist er gestorben, an unsrer statt, stellvertretend für uns!

Was für eine Erkenntnis, - wenn sie auch leider erst recht spät gekommen ist! Was für ein Umschwung: Aus Geringschätzung wird auf einmal Hochachtung, aus distanzierter Gleichgültigkeit wird Ehrfurcht und Dankbarkeit!
Was der Prophet über jenen Unbekannten gesagt hat, das klingt für uns fast so, als hätte er damals schon von Jesus geredet, als hätte er ihn schon vor Augen gehabt: Jesus, der unschuldig gelitten hat und der gekreuzigt wurde, - Jesus, der sich ganz bewusst hat zum Opfer machen lassen, damit wir befreit werden aus der Gefangenschaft der Schuld und des Bösen.

Er trug unsere Krankheit: Unsere schlimmste Krankheit ist nämlich nicht der Krebs oder Corona, unsere schlimmste „Krankheit“ ist der Hang, andere zu Opfern zu machen. Das geschieht nicht nur durch rohe Gewalt, sondern auch schon durch herabwürdigende Worte, oder – in unseren Gedanken – durch Schuldzuweisungen.

Wir suchen gern die Schuld bei anderen, weil wir uns damit selber entlasten. Wir machen gerne andere verantwortlich, wenn etwas schiefläuft, weil wir dann selber nicht im Schussfeld der Kritik stehen.

Überhaupt verschafft es uns eine gewisse Befriedigung, wenn wir die Menschen einteilen in Gute und Böse, in Schuldige und Unschuldige, Wertvolle und Wertlose, - wenn wir uns nur dabei selber auf die Seite der Besseren stellen können. Die auf der anderen Seite – so legen wir es uns zurecht, - die haben es sich selbst zuzurechnen, dass sie Ablehnung erfahren und Prügel beziehen. „Selber schuld!“ sagen wir da, und machen es uns damit zu leicht.

Ganz anders hat sich Jesus verhalten: Er hat die Seite gewechselt. Er ist zu den Schuldigen gegangen und hat sich zu ihnen gestellt. Statt ihnen Vorwürfe zu machen, hat er ihnen Vergebung gewährt und ihnen die Barmherzigkeit Gottes verkündet. Statt seine Hände in Unschuld zu waschen, ist er für die Schuldigen eingetreten, hat sich für sie verantwortlich gefühlt und hat für sie den Kopf hingehalten.

Als Rabbi hätte er sich so nicht verhalten dürfen. Für die Religions-Behörden war er damit untragbar geworden. So wurde er denn verurteilt und den Römern zur Kreuzigung ausgeliefert.
Da hing er nun am Kreuz, und links und rechts von ihm zwei Gewalttäter, die schwere Schuld auf sich geladen hatten: Jesus – bis in den Tod ganz bei den Schuldigen. 
So hat sich Jesus unserer „Krankheit“ gestellt, er hat sie mit voller Wucht zu spüren bekommen und „ausgebadet“: Feindschaft und Schuldzuweisungen hat er getragen und überwunden. „Fürwahr, er trug unsre Krankheit“. 

Sein Kreuz zu sehen, beschämt uns und macht uns betroffen: So schwer wiegt also unsre Schuld, so schlimm ist unsere Krankheit! Das Kreuz öffnet uns die Augen, dass wir es sehen und wahrnehmen und darüber erschrecken. Aber zugleich ist da das Staunen: Für uns hat er das auf sich genommen, für uns als seine Schwestern und Brüder! Wir waren es ihm wert, dass er sein Leben geopfert hat, um uns zu retten und zu erlösen!

Mit diesem Staunen fängt es an, dass wir frei werden von allem, was krankhaft ist. Auf den Gekreuzigten zu schauen ist heilsam. Am Kreuz sehen wir, was Liebe vermag. Und dass die Liebe Gottes wirklich allen Menschen gilt. Wir dürfen sie uns schenken lassen, sie annehmen und glauben, - dann wird sie uns heil machen. Dann wird Friede werden in unserem Herzen und in unserem Miteinander, - weil er Frieden gemacht hat.

 

Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben; in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben. Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil, dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil. 
Lass deine Wunden sein die Heilung unsrer Sünden, lass uns auf deinen Tod den Trost im Tode gründen. O Jesu, lass an uns durch dein Kreuz, Angst und Pein dein Leiden, Kreuz und Angst ja nicht verloren sein.
(EG 87,3+6)