7. Sonntag nach Trinitatis

18.07.2021, 7. Sonntag nach Trinitatis, Predigt zu 1.Könige 17,1-16 von Pfr. Weiskopf

Die Witwe sagte zu Elia: Ich habe nichts Gebackenes, nur eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Elia sprach zu ihr: So spricht der HERR, der Gott Israels: Das Mehl im Topf soll nicht verzehrt werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis auf den Tag, an dem der HERR regnen lassen wird auf Erden. Sie ging hin und tat, wie Elia gesagt hatte. Und er aß und sie auch und ihr Sohn Tag um Tag. Das Mehl im Topf wurde nicht verzehrt, und dem Ölkrug mangelte nichts nach dem Wort des HERRN, das er geredet hatte durch Elia.

Liebe Gemeinde,

 
Wunder
 

es hört sich an wie ein Märchen, was da erzählt wird. Als aufgeklärte, moderne Menschen nehmen wir so etwas nicht ernst. „Wunder – an so etwas hat man früher geglaubt. Für uns zählt das, was wissenschaftlich belegt ist…“

Trotzdem hat uns diese märchenhafte Wundergeschichte aus dem Alten Testament durchaus etwas zu sagen. Denn – auch wenn wir nicht immer daran denken, - wir sind umgeben von lauter Wundern Gottes: Dass wir leben, dass unser Herz schlägt, dass wir atmen, dass wir sehen, schmecken, riechen, hören und spüren, dass wir wachen und schlafen, - ist das nicht wunder-bar? Wir sind selbst ein Wunder Gottes!

Dass wir uns freuen an schönen Dingen, dass wir Gemeinschaft erleben, dass wir Menschen haben, mit denen wir verbunden sind, ja, dass wir mit Gott verbunden sein können, das sind Wunder, d.h. Geschenke Gottes, für die wir dankbar sein können. Gott-sei-Dank haben wir auch genug zu essen. Eine Hungersnot, wie sie zur Zeit des Elia geherrscht hat, die gibt es leider, aber nur in anderen Ländern, bei uns glücklicherweise nicht.

Aber in Notzeiten lernen die Menschen, das Geringe zu schätzen: Das Bisschen Mehl im Topf und das Öl im Krug. Oder in Corona-Zeiten der Besuch, das Zusammensein mit Freunden. Oder wenn man mal eine Zeitlang die Maske abnehmen darf… Oder wenn es mal ein paar Tage nicht regnet…

 

Wink des Himmels
 

Man wird dankbar für die kleinen Dinge. Und wenn man will, kann man darin einen Wink des Himmels erkennen: Nämlich, dass Gott für uns sorgt, weil wir zu ihm gehören. Er muntert uns immer wieder auf und macht uns Mut. 
Das brauchen wir auch. Denn oft genug will uns bange werden, - so wie der Witwe von Sarepta bange war. Wie wird es weitergehen? Wird es zum Leben reichen? Werden uns die Probleme über den Kopf wachsen? Müssen wir mit dem Schlimmsten rechnen? 
Nein, wir dürfen mit dem Besten rechnen, - nämlich, dass es gut ausgehen wird. Nicht so, dass die Probleme schlagartig weg sind, aber doch so, dass wir irgendwie durchkommen und im Unglück bewahrt bleiben.

 
Mut der Verzweiflung
 

Die Frau aus Sarepta hat zuerst gezögert: Sollte sie wirklich von dem wenigen, das sie noch hatte, diesem Fremden etwas abgeben? Es reichte doch kaum für sie und ihren Sohn! Sie wusste: Wenn dieser letzte Rest verzehrt war, würden sie beide hungern müssen, sie und ihr Sohn, - vielleicht würden sie ja verhungern. Es war bei ihr wohl der Mut der Verzweiflung, dass sie dem Elia etwas zu Essen gab. Vielleicht war er ja wirklich ein Mann Gottes? Vielleicht hatte Gott ihn zu ihr geschickt? Vielleicht waren seine Worte ja mehr als leere Versprechungen? Vielleicht…

Diese arme Witwe hat nach anfänglichem Zögern Vertrauen gefasst und ihre letzten Vorräte mit Elia geteilt. Sie hat Vertrauen gefasst, dass da Gott seine Hand im Spiel hat. Sie hat mit ihrem Vertrauen Gott Raum gegeben in ihrem Leben.

 
Gott Raum geben
 

Wenn wir Gott vertrauen, geben wir ihm damit Raum, auch in unser Leben einzugreifen, Raum für seinen Segen, Raum für seine Wunder. Das Vertrauen auf Gott macht uns frei, dass wir nicht mehr ängstlich und geizig festhalten müssen, was wir haben. Wir können teilen mit Menschen, die weniger haben. Auch wenn wir selber nicht viel haben, können wir das Wenige mit anderen teilen – weil Gott uns dazu Mut macht. Und es wird ein Segen darauf liegen. 
Diese Witwe hat alles Gott zur Verfügung gestellt, - sich selbst und was sie hatte. Nachdem sie dem Elia geholfen hat, hat sie auf einmal spüren dürfen, wie der Segen Gottes sie trägt und ihr hindurchhilft.

 
Geben ist seliger als Nehmen
 

Das ist der Weg, den Jesus uns gewiesen hat: „Geben ist seliger als nehmen“. Der Segen Gottes wird für uns spürbar, wenn wir, was wir haben, mit anderen teilen. Da kann im Herzen eine große Gewissheit wachsen: dass wir zu Gott gehören und dass er uns gebraucht als seine Werkzeuge, als Überbringer seines Segens.

 

Keiner kann allein Segen sich bewahren,
weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen.
Segen kann gedeih`n, wo wir alles teilen,
schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeih`n.

(EG 170,2)