Gott geht mit

Liebe Gemeinde,

für mich war dieses Jahr, wie für uns alle, ein ganz besonderes Jahr, nicht nur wegen des Coronavirus. Nach dem letzten Weihnachtsfest, das ich mit Ihnen feiern durfte, bin ich krank geworden. Die letzten Jahre waren in vielerlei Hinsicht sehr anstrengend und mein Körper hat mir unmissverständlich gesagt, dass ich so nicht weiterarbeiten kann. Und so werde ich nach einem Jahr Krankheit zum 1. Januar 2021 in den Ruhestand gehen, sehr viel früher, als ich es mir gedacht hatte. Ich hätte gerne noch ein paar Jahre hier in Schönwald für und mit der Gemeinde gearbeitet, manches hätte ich gerne noch mit Ihnen und dem Kirchenvorstand auf einen guten Weg gebracht, nicht nur unsere Kirchenrenovierung. Manches hätte ich gerne noch wachsen sehen.

Aber so ging es wohl vielen von uns in diesem besonderen Jahr, dass Dinge sich ganz anders entwickeln, als man es sich gewünscht und auch erhofft hat.

Mich hat in all dem eine alte koptische Ikone getröstet, die mich schon seit vielen Jahren im Glauben begleitet. Ich habe sie als junges Mädchen in der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé kennengelernt, denn dort steht eine große Kopie dieser Ikone, und seitdem habe ich sie in meinem Arbeitszimmer, sie ist schon viele Male mit mir umgezogen.

Jesus, der hinter einem frühkirchlichen Märtyrer mit Namen Menas steht, ihm freundschaftlich den Arm um die Schulter gelegt hat. Der Märtyrer scheint Jesus nicht zu sehen, auch wenn er auf ihn zeigt, denn er schaut nach vorne, aber Jesus ist da, wie ein guter Freund, der einem tröstend den Arm um die Schulter legt und sagt, Du bist nicht allein, ich bin bei dir, ich gehe jeden Weg mit Dir. Das habe ich Dir bei deiner Taufe versprochen und dieses Versprechen werde ich halten. Du Mensch gehörst zu mir. Und gerade dann, wenn im Leben alles ganz anders läuft, als du es geplant hast, wenn du schwach und krank bist und den Weg alleine nicht mehr findest, dann bin ich an deiner Seite.

Mir hat dieses Vertrauen geholfen, nach neuen Wegen in meinem Leben zu suchen. Denn ich weiß, Gott geht mit. Und so werde ich mit meinem Mann im neuen Jahr voller Vertrauen neue Wege beschreiten. Wir ziehen ganz an die Ostsee nach Ahrenshoop, wo wir bereits die letzten zwölf Monate meiner Krankheit verbracht haben. Wir freuen uns sehr auf einen gemeinsamen Ruhestand, den wir so gar nicht erhofft hatten. Ich freue mich auf viel Zeit mit meinen zwei kleinen Patentöchtern, die oben an der Küste leben  und die ich im Leben und im Glauben hoffentlich noch lange begleiten darf. Ich freue mich auch darauf, immer wieder ehrenamtlich als Pfarrerin arbeiten zu dürfen und mich dort einzubringen, wo Not am Mann ist und eine Kollegin, ein Kollege vielleicht genau diese Unterstützung braucht, die mir manchmal gefehlt hat. Ich freue mich aber auch auf all das, was Gott mit mir sonst noch so vorhat. 

Ich bin dankbar, für die acht Jahre hier in Schönwald, auch wenn manches viel Kraft gekostet hat. Ich bin dankbar für all das, was ich mit dem neuen Kirchenvorstand auf den Weg bringen durfte und für die fröhliche und konstruktive Zusammenarbeit. Ich bin dankbar für die Begleitung durch viele liebe Menschen, gerade in den letzten Monaten der Krankheit. Ich bin dankbar für all die, die mir in Konflikten zur Seite standen und bei denen ich auch als Pfarrerin Mensch sein durfte, der manchmal schwach ist und angreifbar. Ich bin dankbar, dass ich so viele von Ihnen in unserer Gemeinde begleiten durfte, manchmal in schweren Zeiten, aber gerade auch in den fröhlichen. Ich bin dankbar für die Unterstützung und die Freundschaften, die ich hier in der Gemeinde erleben durfte. Ich bin dankbar besonders für die Kinder und Jugendlichen, die ich ein Stück im Glauben begleiten durfte. Ich bin dankbar für so vieles, was in diesen Jahren gewachsen ist, so wie die Kinder, die ich in diesem acht Jahren taufen durfte. Manches bleibt unfertig, aber das ist im Leben so. Wir dürfen gerade das Unfertige in Gottes Hände legen und ihm anvertrauen.

Leider kann ich mich nicht so von Ihnen allen verabschieden, wie ich mir das wünschen würde, denn einen großen Gottesdienst miteinander zu feiern und danach eine Verabschiedung ist ja leider in diesem Jahr nicht möglich. Da wir eine kleine Wohnung hier in der Nähe behalten werden, komme ich gerne mal in unserer Kirche vorbei, wenn wir uns wieder begegnen können, ohne Abstand und ohne Masken. Und diese Zeit wird kommen, vielleicht zu einem Gemeindefest oder zur Einweihung unserer Kirche nach der Renovierung. Und falls Sie mir ein paar gute Worte mit auf den Weg geben wollen, freue ich mich, wenn Sie sie aufschreiben und im Pfarramt abgeben.

Seien Sie Gott befohlen, der uns alle im Leben begleitet, gerade in dieser Zeit.

Ihre Pfarrerin Tilla Noack