9. Sonntag nach Trinitatis

01.08.2021, 9. Sonntag nach Trinitatis, Lektor Schröter

Matthäus 7,24-27

24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baute. 25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet. 26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein Haus auf Sand baute. 27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus, da fiel es ein und sein Fall war groß.

Herr, segne unser Reden und Hören durch deinen Heiligen Geist. Amen.

 

Liebe Gemeinde,

da stand er nun schon seit über einer Stunde. Fassungslos starrten seine Augen ins Leere. Alles hin! – „Hätte ich doch nur... Damals vor 30 Jahren... Hätte ich doch nur auf meinen Freund gehört.“

Sein Freund hatte weiter oben am Hang ein bescheidenes Häuschen gebaut. „Komm bau doch neben mir! Unten im Wadi ist es nicht sicher, wenn doch mal wieder ein Gewitterguss losbrechen sollte, wird alles fortgerissen. Aber hier oben am Hang auf dem Felsplateau, wenn du neben mir baust, da kann nichts passieren.“

Aber der billige Baugrund, unten im Tal war dann doch verlockender gewesen und durch das eingesparte Geld war es ein prächtiges Haus geworden. Immer wieder, wenn er Gäste bei sich hatte und sie ein Sommerfest feierten, hatte er – fast ein bisschen verächtlich – nach oben gezeigt und gesagt: „Schaut, da hätte ich auch beinahe gebaut. Was bin ich froh, dass ich mich doch noch anders entschieden habe.“

Nur einmal hatte ein Gast bedenklich die Stirn gerunzelt und gesagt: „Mein Urururgroßvater hatte hier unten auch einst eine prächtige Villa. Bis zu jenem Wolkenbruch im Jahr 75 vor Christus. Binnen einer Stunde war alles fortgespült.“ Diese Äußerung hatte unser Mann schnell wieder verdrängt und vergessen. Jetzt, da sein Haus ebenfalls von den Fluten fortgerissen war, fiel es ihm wieder ein.

… und sein Fall war groß. Mit diesen Worten beendet Jesus sein Gleichnis vom Hausbau. Jener Mann unten im Bachtal ist eine tragische Gestalt. Jesus erzählt uns von ihm, um uns vor einer Tragödie zu bewahren.

Jeden betrifft dieses Gleichnis. Denn unser aller Leben ist mit einem Haus zu vergleichen. Stein um Stein wird aufeinander gesetzt. Verschiedene Räume sind darin – Lebensbereiche, um es einmal ohne Bild auszudrücken. Lebensräume und Lebensbereiche, in denen wir unser Leben gestalten und Entscheidungen treffen: Beruf, Erziehung, Ehe, Familie, Hobbies, Beziehungen, Begabungen und Fähigkeiten. Jeder von uns hat so ein Lebenshaus.

Aber wo steht es? Worauf baut es auf? Wovon wird es getragen? Hat es Bestand?

Für Vieles sorgen die Menschen vor, wenn sie ihr Lebenshaus bauen. In Kranken- und Rentenversicherung wird einbezahlt, Zusatzversicherungen werden abgeschlossen. Reserven werden angespart. All das ist nicht unbedingt schlecht. Wie gut, dass wir in der Corona-Krise in unserem Land große finanzielle Reserven zur Verfügung hatten. Es gibt ein gutes Gefühl im Leben, für möglichst viel vorgesorgt zu haben.

Aber die Jahre vergehen und es zeigt sich, dass das Lebenshaus Risse bekommt. Man versucht, sie zu reparieren und eine Zeitlang geht das auch. Man färbt die Haare, nimmt Tabletten, beginnt ein Fitnessprogramm. Aber eines Tages kommt die große Sturzflut; sie kommt manchmal ganz plötzlich, meist aber mit lange vorher erkennbaren Zeichen.

Und schließlich beginnt der Tod, das Haus zu schütteln. Die aufgeschreckte Seele sucht Schutz, verkriecht sich in die Ecke, versucht tapfer, nicht daran zu denken, dass jetzt das Ende kommt. Aber es kommt unausweichlich. Der reißende Strom der Ewigkeit macht vor keinem Lebenshaus Halt. Was nicht Ewigkeitswert hat, wird fortgerissen. In der Ewigkeit zeigt sich, was in Gottes Augen Bestand hat.

Zum einen erzählt uns Jesus diese Geschichte, um zu warnen, damit es nicht zur Katastrophe kommt, wie bei jenem Mann. Es ist ein hartes Wort, aber kein liebloses Wort. Im Gegenteil, wer seine Kinder liebt, der warnt sie vor den Gefahren des Lebens. Warnungen und Mahnungen werden nicht unbedingt immer gern gehört. Aber sie können lebenswichtig und lebensrettend sein.

Jesus erzählt aber auch von dem anderen Mann, der auf einem Felsplateau gebaut hatte. Jesus erzählt diese Geschichte, damit wir auf ihn und seine Worte bauen. Beide Männer hatten gehört, wo es sich gut bauen lässt: Oben am Hang auf dem Felsplateau. Da wäre ein Haus sicher. Gehört hatten sie beide, aber nur einer hatte oben gebaut. Jesus hatte, bevor er diese Geschichte erzählt, eine lange Predigt gehalten: Die Bergpredigt. Viele hatten zugehört. So, wie viele auch von uns schon viel von Jesus gehört haben. Aber was wurde aus dem Hören?

Wer heute Nachmittag bei einem Fußballspiel zuschaut und die Jubelrufe der Fans hört, der geht am Schluss nach Hause, aber es hat weiter keine grundlegende Bedeutung für das Leben dieses Menschen. Wer heute Nachmittag durchs Museum schlendert und vom Museumsführer interessante Dinge erfährt, der sagt „schön“ oder „interessant“. Und dann geht er nach Hause und es hat in der Regel weiter keine grundlegende Bedeutung für ihn. Wenn uns heute Abend im Fernsehen die freundliche Dame vom Wetterbericht sonnige Tage verkündet, wird dadurch die Woche nicht grundlegend anders.

Wenn aber Jesus zu mir spricht, dann ist das etwas anderes. Da geht es um Felsengrund. Da ist es fatal, wenn ich nur sage: Schön! Oder: Interessant! Oder: Toll!

Es ist die Frage, ob ich mich darauf einlasse, darauf verlasse, darauf niederlasse, darauf baue, wie Jesus es im Gleichnis sagt: Wer diese meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus auf Fels baut. Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen, sagt Jesus an anderer Stelle.  Was er sagt, das trägt, das trägt mich bis hinüber in die Ewigkeit.

Bei Beerdigungen hören wir immer wieder das Wort Jesu: Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, der wird leben, auch wenn er stirbt. Und mit diesem Wort sind wir immer auch persönlich gefragt: Wie hältst du es mit dem, was Jesus dir da mitteilt?

Natürlich kann ich sagen, wie jener Mann: „Das ist mir zu eng. Auf diese spezielle Plattform baue ich nicht. Wieso sollte Jesus allein den entscheidenden Halt geben? Andere Religionen haben im Hinblick auf die Ewigkeit doch auch viel zu sagen.“ Aber das hätte tragische Folgen. Kein anderer hat mir etwas zu sagen, das so grundlegend wichtig ist für mein Leben, wie Jesus. Nur er hat am Ostermorgen das letzte Wort gesprochen, wo der Tod scheinbar schon alles gesagt hatte. Die Worte Jesu sind wie ein Fels. Ein Fels, der trägt bis in Ewigkeit. Schließlich erzählt Jesus uns diese Geschichte, damit wir unser Leben von ihm bestimmen lassen.

Wir haben gehört: Ein Fundament trägt. Jesus mit seinen Worten ist der Fels, der uns trägt. Ein Fundament bestimmt auch den Rahmen, die Ausdehnung eines Bauwerks. Sich von Jesus tragen lassen heißt, sich auch von Jesus bestimmen lassen.

Jener tragische Mann wollte lieber unten im Bachtal bauen, er wollte die Ausmaße seines Hauses selber festlegen. Er fand es einengend, sich von den Ausmaßen des Felsplateaus ein Maß vorgeben zu lassen. Aber so ist es im Glauben. Jesus trägt uns und er gibt das Maß vor, er setzt die Maßstäbe. Es passt nicht zusammen, wenn ich sage: Jesus, ich vertraue dir, aber leben will ich, wie es mir passt.

Vielleicht kommt es uns eng vor, die Wahrheit zu sagen in bestimmten Situationen. Aber Jesus sagt in der Bergpredigt – in der langen Rede, die er vor unserer Geschichte gehalten hat –, dass er ein Freund der Wahrheit ist: Eure Rede aber sei Ja, ja; nein, nein. Was darüber ist, das ist vom Bösen.

Natürlich weißt Du: In der Welt ohne Jesus herrschen andere Maßstäbe. Aber Jesus wird Dich nicht fallen lassen, wenn Du Dich der Wahrheit zuwendest. Seine Vergebung wird Dich aufrichten, wenn Du ihm Deine Lügen bekennst. Seine Kraft wird Dich tragen, wenn Du es wagst, die Wahrheit zu sagen.

Natürlich nehmen die Menschen ihr Leben am liebsten selber in die Hand. Aber Jesus hat uns zu beten gelehrt. Dein Wille geschehe.

Ein junger Mensch kann Gott um Rat fragen: Bei der Wahl seines Berufsweges, seines Ehepartners: „Herr, was willst du?“ Jesus wird helfen, dass Stein auf Stein gut aufeinander und ineinander gefügt wird. In den Räumen, die mit seinem Rat und seiner Hilfe gebaut werden, wird Segen zuhause sein.

Natürlich entspricht es der menschlichen Natur, Unrecht nachzutragen, statt zu vergeben. Das ist menschlich. Aber göttlich ist, was Jesus in der Bergpredigt sagt: Wenn dir in den Sinn kommt, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, so versöhne dich mit deinem Bruder.

So etwas kann übermenschliche Kraft abverlangen. Aber gerade da will ich Jesus etwas zutrauen, wo meine Kraft erschöpft ist. „Jesus, ich tue mir so schwer mit dem Vergeben und Verzeihen, ich weiß auch nicht, wie ich das mit Versöhnung schaffen soll. Aber du wirst mir helfen und zeigen, wie das gehen kann.“

Jesus vertrauen bedeutet, auf seine Worte zu bauen. Seine Worte sind felsenfest verlässlich. Sie gelten auch dann noch, wenn diese Erde, die uns trägt, längst vergangen ist. Jesus vertrauen, das bedeutet auch: Sein Wort ist mein Fundament. Es steckt den Rahmen, bestimmt die Grenzen für mein Handeln. Es stellt mich auf weiten Raum: Denn dort sagt mir der Herr aller Herren: Ich bin bei dir mit meiner Kraft, mit meiner Hilfe. Jesus verspricht es uns: Wer meine Rede hört und tut sie, der gleicht einem Mann, der sein Haus auf Fels baute… Dieses Haus fällt nicht ein, denn es ist auf Fels gegründet. Amen

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen