6. Sonntag der Passionszeit

28.03.2021, 6. Sonntag der Passionszeit, Palmarum, Kurzpredigt zu Hebräer 12,1-3 von Pfr. Weiskopf

 

Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

 

Liebe Gemeinde,

 

„was hab ich davon, wenn ich glaube? Bringt mir das was?“, – die Antwort auf diese Frage fällt uns leicht: „Ja, es hilft mir, es gibt mir Trost und Halt und Kraft.“ Der Glaube ist für uns etwas, worauf wir nicht verzichten wollen.

Aber wir sehen an Jesus Christus, dass der Glaube uns auch viel abverlangt, - wenn wir ihn ernst nehmen. Mit Gott zu leben ist kein lässiger Spaziergang bei schönem Wetter, sondern eine anstrengende Tour mit viel Gegenwind.

Da gilt es allerlei Widerstände zu überwinden, - von innen und von außen, - da brauchen wir Entschlossenheit und ganzen Einsatz. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, Ballast abwerfen, uns frei machen von Gewohnheiten und unnötigen „Zeitfressern“, die uns träge werden lassen, - und das wird uns nur gelingen, wenn unser Blick auf Jesus gerichtet ist.

Leider geht es uns allzu oft nur um uns selbst, - unsre eigenen Wünsche und Bedürfnisse, unsre Sorgen und Ängste. Statt auf Gott zu vertrauen, wollen wir aus eigener Kraft rechtschaffen und gut sein und mit allem fertig werden. Den Glauben holen wir erst dann aus der Schublade, wenn es gar nicht mehr anders geht. – Ist das nicht die Haltung, die in der Bibel „Sünde“ genannt wird, - wenn der Mensch sein Vertrauen mehr auf sich selbst setzt als auf Gott?

Lasst uns aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, schreibt der Apostel. D.h.: Jesus ist unser Ein und Alles. Unsern Glauben haben wir nur durch die Verbindung mit Ihm, nicht aus uns selbst. Und mit Gott leben – das können wir nur, wenn unser Blick auf Jesus gerichtet ist: Er ist uns vorausgegangen auf dem Weg des Glaubens bis zum Tod am Kreuz. Und nur wenn wir ihm hinterhergehen, werden wir das Ziel erreichen.

Aber - können wir das denn überhaupt: Ihm hinterhergehen, ihm nachfolgen? Losgelöst von Geld und Besitz, von einem Tag zum andern leben, von der Hand in den Mund leben? Einzig und allein auf Gott vertrauen - ohne Absicherung, ohne Rückzugsmöglichkeiten, sich ganz Gott zur Verfügung stellen und den Menschen dienen? – Davon sind wir doch - nüchtern betrachtet - meilenweit entfernt!

Jesus nachfolgen, - ist das für uns nicht ein paar Nummern zu groß? Nur wenn wir auf Jesus schauen und uns von ihm an der Hand nehmen lassen, können wir einzelne kleine Schritte auf diesem Weg schaffen. Ohne ihn nicht.

Z.B. wenn wir im Vertrauen auf Gott etwas wagen,

  • wenn wir anderen einen Dienst tun,
  • wenn wir bereit sind zu vergeben und uns zu versöhnen,
  • wenn wir uns offen dazu bekennen, dass wir an Jesus glauben,
  • wenn wir Schwächeren beistehen und für Benachteiligte eintreten, … -

das wären solche Schritte in der Nachfolge Jesu.


Dass man dabei nicht immer nur Zustimmung erntet, sondern auch Widerspruch und Ablehnung, - damit müssen wir rechnen, sagt der Verfasser des Hebräerbriefs. Das hat Jesus selbst erdulden müssen, und das wird auch uns nicht ganz erspart bleiben auf diesem Weg. Aber wenn wir auf IHN schauen und was er ertragen hat, - dann wird uns das, was WIR aushalten müssen, vielleicht nicht mehr ganz so schwer erscheinen. Dass wir in schweren Zeiten geduldig bleiben und den Mut nicht verlieren, - vielleicht hilft uns da auch der Gedanke, dass wir „eine Wolke von Zeugen um uns haben“, wie der Apostel schreibt.

Wir haben Unterstützung aus der unsichtbaren Welt! Ob wir uns mit allen möglichen Problemen herumschlagen, oder ob wir von unsren Mitmenschen gemobbt und ausgebremst werden, - wir sind nicht allein! Wir sind unsichtbar umgeben von guten Geistern, d.h. von denen, die vor uns geglaubt und gekämpft haben, - wir sind „von guten Mächten wunderbar geborgen“. Vielleicht fiebern sie mit und wollen uns anfeuern, dass wir den Mut nicht verlieren, sondern tapfer und geduldig vorwärtsgehen auf dem Weg des Glaubens und der Liebe.

Es lohnt sich, es ist der Mühe wert, es ist ein guter Weg zu einem wunderbaren Ziel, - das will unser Bibelwort uns sagen.

 

Jesu, geh voran auf der Lebensbahn, und wir wollen nicht verweilen dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland. (391,1)