5. Sonntag nach Trinitatis

04.07.2021, 5. Sonntag nach Trinitatis, Predigt zu 1.Korinther 1,18 von Pfr. Weiskopf

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es Gottes Kraft.

Liebe Gemeinde,

 

„die einen finden`s dumm, die anderen schwören drauf“, - so ist das nicht selten. Die Meinungen gehen oft weit auseinander, z.B. was die richtige Politik ist oder die richtige Ernährung, oder wie man am besten mit der Corona-Pandemie umgehen soll. Manchmal ändern Menschen auch ihre Meinung, obwohl sie sehr davon überzeugt waren, - weil sie durch einschneidende Erfahrungen klüger geworden sind.

Dem Apostel Paulus ist es ja selbst auch so ergangen. Zuerst war es für ihn ein Unding, an einen zu glauben, der gekreuzigt worden war, und dann auf einmal gab es für ihn nichts anderes mehr. Das Kreuz wurde für ihn der Schlüssel, der ihm die Tür öffnete zu Gott.

 
ein Zeichen des Lebens
 

Auch für uns ist das Kreuz nicht nur das Symbol des Todes, sondern viel mehr als das. Weil Jesus für uns in den Tod gegangen ist, ist das Kreuz für uns das Zeichen der erlösenden Liebe Gottes, ein Zeichen des Lebens.

Aber das ist etwas, was nicht jeder verstehen kann und will. Manche schaudert es, wenn sie eine Darstellung des Gekreuzigten sehen. Und das ist ihnen auch gar nicht zu verdenken, denn es ist ja etwas sehr Grausames, was einem da vor Augen gestellt wird. „Was doch Menschen einander antun“, - denkt man da, und es fallen einem viele andere schlimme Beispiele ein.

Das Kreuz erinnert uns an all das Böse, das geschieht. Es tut weh, daran zu denken. Deshalb schauen wir da vielleicht lieber gar nicht hin. Auf der anderen Seite können wir aber auch fasziniert sein von dem, was uns Angst macht, so dass wir geradezu wie gebannt da hinschauen…

 

Gott scheint sehr weit weg zu sein


An Gott denken wir da kaum, - er scheint in solchen Momenten sehr weit weg zu sein.
- Gott ist doch unsichtbar. Schwebt er nicht irgendwie hoch über den Dingen? - so stellen wir es uns vor. Und wir fragen uns, ob er wirklich mitkriegt, was hier auf der Erde abgeht.
- Gott ist doch ewig und unsterblich, - kann er dann überhaupt verstehen, wie es uns ergeht? Wir haben Angst vor dem Tod und vor dem Sterben, - wir stehen da nicht d´rüber, – so wie er.
- Gott ist allmächtig, heißt es, - aber wir fühlen uns oft sehr ohnmächtig, hilflos ausgeliefert irgendeinem Schicksal.

Gott und die Welt, – wir kriegen in unseren Gedanken beides nicht zusammen. Die christliche Botschaft, dass in Jesus Gott in die Welt gekommen ist, ist nicht für jeden überzeugend. Dass Gott am Ende sogar leidet und stirbt, - das ist für unsere Vernunft vollends unakzeptabel. Das ist, wie manche meinen, ein sehr dummer Gedanke…

 

dieser „dumme Gedanke“ hat Kraft


Aber dieser „dumme Gedanke“ hat die Kraft, unser Leben zu verändern. Bedeutet das nicht, dass Gott sozusagen aus eigener Erfahrung weiß, wie es uns geht, wenn wir leiden, wenn wir Angst haben, wenn wir sterben? Bedeutet das nicht, dass er auch in Schmerzen und Traurigkeiten bei uns ist und mit uns fühlt? Wir sind also gar nicht so gottverlassen, wie wir uns vielleicht manchmal vorkommen!

Und wenn Er uns nahe ist auch in den dunklen Momenten, - gibt uns das nicht die Hoffnung, dass es sich wieder zum Besseren wendet, und dass jedenfalls am Ende alles gut wird?

Und wenn Gott in all dem Leiden und Sterben auf dieser Welt gegenwärtig ist, - besteht dann nicht auch Hoffnung für diese Welt, für diese Schöpfung?

Das Leidvolle bekommt einen Sinn, wenn Gott darin gegenwärtig ist. Auch menschliche Bosheit und Schuld muss dann letztlich dazu dienen, dass Gottes Wille geschieht.

 

uns hilft dieser Glaube
 

Für manche sind das „dumme Gedanken“, - aber uns hilft dieser Glaube, das Leben anzunehmen, so wie es ist. Die Botschaft von Jesus, dem Gekreuzigten, gibt uns Kraft, dem Leiden standzuhalten. Und sie gibt uns Lebensweisheit, dass wir uns nicht täuschen lassen: Nicht der Mensch ist glücklich, dem Leiden und Krankheit erspart bleiben, - sondern der Mensch ist glücklich, der im Unglück Gottes Nähe erfährt.

Traurige werden froh, Verzweifelte werden getröstet, Schuldige bekommen Vergebung, Geängstigte fassen Mut, Sterbende finden Frieden – durch die Botschaft von Jesus Christus, dem Gekreuzigten.

Ohne die Botschaft von dem Gekreuzigten und Auferstandenen wären wir tatsächlich verloren – jetzt schon und einmal in Ewigkeit. Aber durch den Glauben an ihn sind wir selig, - d.h. angeschlossen an die göttliche Kraftquelle.

 

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht: Christus meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht, auf dich vertrau ich und fürcht mich nicht. (EG 697)