5. Sonntag nach Ostern

09.05.2021, 5. Sonntag nach Ostern, Rogate, Predigt zu Psalm 66,8-9; 10-12; 16-20 von Pfr. Weiskopf


Liebe Gemeinde,


Lobt Gott, wir leben noch

Der uns namentlich nicht bekannte Verfasser von Psalm 66 ruft alle Menschen auf zum Lob Gottes.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,
der unsre Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Allein die Tatsache, dass wir noch am Leben sind, - ist das nicht Grund genug, Gott zu loben? Statt über die Einschränkungen zu jammern, die uns durch die Corona-Pandemie entstanden sind, - sollten wir nicht froh und dankbar sein, dass wir bewahrt geblieben sind und noch leben?


Hartes Schicksal


Der Psalmdichter erwähnt auch, dass sein Volk ein hartes Schicksal gehabt hatte:

Denn, Gott, du hast uns geprüft und geläutert,
wie das Silber geläutert wird;
du hast uns in den Turm werfen lassen,
du hast auf unsern Rücken eine Last gelegt,
du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen,
wir sind in Feuer und Wasser geraten.

Aber weil es Gott war, der ihnen dieses schwere Schicksal zugemutet hatte, darum war sich der Psalmdichter sicher, dass das alles irgendwie einen Sinn gehabt haben muss - als Prüfung, als Läuterung, d.h. Reinigung. 
Und vor allem: Irgendwann war es dann auch wieder gut gewesen, die Prüfung war vorbei, man konnte wieder aufatmen:

Aber du hast uns herausgeführt und uns erquickt.

Im Nachhinein kann man sich aussöhnen auch mit einem harten Schicksal. Statt zu seufzen und zu klagen fängt man an, Gott zu loben und zu danken dafür, dass man es überstanden hat. Irgendwann werden wir wohl auch so weit sein, dass wir Gott loben für seine Hilfe in dieser besonderen Zeit jetzt.


Ich will erzählen, was er an mir getan hat


Im letzten Abschnitt seines Palms spricht der Dichter von sich ganz persönlich. Wir erfahren leider nicht, aus welcher Notlage er errettet worden ist, - war es Krankheit in der Familie oder Streit mit Nachbarn, war es eine Viehseuche oder eine drohende Missernte, oder ein Unglück, dem er nur knapp entgangen ist? - Jedenfalls kann er Gott loben, dass es gut ausgegangen ist.

Aber es geht ihm gar nicht nur darum, dass es jetzt wieder gut ist, - nein, das Größte und Wichtigste ist für ihn, dass GOTT gut zu ihm gewesen war. Er durfte Hilfe erfahren: War das nicht ein Zeichen, dass Gott ihm gnädig ist? War das nicht ein Zeichen persönlicher Wertschätzung? - Hat Gott ihm doch tatsächlich Beachtung geschenkt und seine Bitte erhört!

Weil er davon ganz überwältigt ist, will er es allen erzählen:

Kommt her, höret zu, alle, die ihr Gott fürchtet;
ich will erzählen, was er an mir getan hat.
Zu ihm rief ich mit meinem Munde
und pries ihn mit meiner Zunge.
Wenn ich Unrechtes vorgehabt hätte in meinem Herzen, so hätte der Herr nicht gehört.
Aber Gott hat mich erhört
und gemerkt auf mein Flehen.
Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft
noch seine Güte von mir wendet.


Nicht in den Wind gesprochen


Liebe Gemeinde, das darf auch immer wieder unsere Erfahrung sein. Auch unsere Bitten sollen nicht in den Wind gesprochen sein. Jesus hat uns Mut gemacht zum Bitten: „Bittet, so wird euch gegeben, suchet, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan.“ (Matth. 7,7) 
Selbst dann, wenn wir manchmal warten müssen, und das Erbetene nicht geschieht, dürfen wir doch das Vertrauen haben, dass Gott es immer nur gut mit uns meint.

Hat Gott nicht auch uns schon Zeichen seiner Aufmerksamkeit und Wertschätzung gegeben? Diese oder jene erhörte Bitte, diese oder jene unerwartete Hilfe und Freundlichkeit? Und nicht zu vergessen: Unsere Taufe, diese ganz persönliche Zusage seiner Liebe, diese zärtliche Berührung von Gott her?
Auch über unsere Bitten wird Gott nicht hinweghören. Was uns auf dem Herzen liegt und in der Seele brennt, das wird ihn nicht gleichgültig lassen.


Es mit anderen teilen


Und dieses Vertrauen, das wir für uns selber haben, das müssen wir nicht für uns selbst behalten. Das müssen wir nicht ängstlich unter Verschluss halten in unserem Herzen. Nein, wir dürfen es mit anderen teilen. „Ich will erzählen, was Gott an mir getan hat“, - ich will aber auch zuhören, wenn andere von sich erzählen, - das Schöne und Erfreuliche, aber auch das Belastende und Schwere. Wenn wir es miteinander teilen, werden wir es auch im Herzen tragen und im Gebet vor Gott bringen. Dann wird irgendwann aus der Klage ein Lob, aus dem Seufzen ein Dank.

Durch Jesus Christus, unsern Herrn. Amen.


Die ihr Gott fürchtet, ich erzähle: kommt, hört und betet mit mir an! Hört, was der Herr an meiner Seele für große Dinge hat getan. Rief ich ihn an mit meinem Munde, wenn Not von allen Seiten drang, so war oft zu derselben Stunde auf meiner Zung ein Lobgesang. (EG 279,1)