5. Sonntag der Passionszeit

21.03.2021, 5. Sonntag der Passionszeit, Judika, Kurzpredigt zu Hiob 19,25-27 von Pfr. Weiskopf

Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der letzte wird er über dem Staub sich erheben. Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen. Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

 

Liebe Gemeinde,

 

„Ich weiß nicht, wofür mich Gott so bestraft“, - so beklagen sich manche, wenn ein Unglück sie getroffen hat. Sie haben sich nichts Besonderes „zu Schulden kommen lassen“, sie sind keine schlechten Menschen gewesen, - warum also diese Krankheit, dieser Schicksalsschlag? Ist das nicht ungerecht?

Im Buch Hiob wird von einem Menschen erzählt, der diese Ungerechtigkeit besonders krass erlebt hat: Hiob hat ein vorbildlich gutes Leben geführt, - aber dann trifft ihn ein Unglück nach dem anderen, und schließlich wird er krank und ist nur noch „ein Häufchen Elend“.

Hiob weiß, dass er das nicht verdient hat. Auch wenn seine Freunde vermuten, das sei wohl die Strafe Gottes für irgendein schwerwiegendes Vergehen von ihm. Hiob selbst ist von seiner Unschuld überzeugt. Er weiß: Es ist keine Strafe Gottes. - Aber was soll es dann sein? Ist es vielleicht der gerechte Ausgleich dafür, dass es ihm bisher so gut gegangen war? „Haben wir Gutes empfangen von Gott, und sollten das Böse nicht auch annehmen?“ (Hiob 2,10)

Aber auch mit dieser Erklärung will sich Hiob nicht zufriedengeben. Er fragt sich: „Soll es denn umsonst gewesen sein, dass ich fromm und gottesfürchtig gelebt habe? Wäre es gerecht, wenn Gott gar nicht darauf achten würde? Muss er das denn nicht irgendwie honorieren und anerkennen?“

Deswegen ist Hiob überzeugt, dass Gott ihm diese Anerkennung irgendwie noch schenken wird, - und sei es im letzten Augenblick bevor er stirbt. Er hofft, dass Gott aus seiner Verborgenheit heraustritt und dem Hiob Gerechtigkeit widerfahren lässt. Nur wenn das geschieht, - denkt Hiob, - hat sich sein Leben gelohnt.

Liebe Gemeinde, manchmal spitzt sich für uns alles zu auf EINEN Punkt, an dem alles hängt. Geht dieser EINE Wunsch nicht in Erfüllung, dann erscheint alles andere sinnlos und wertlos. Da kann die Enttäuschung u.U. riesig sein, - so groß, dass einer den Glauben an Gott über Bord wirft oder seinem Leben ein Ende setzen will. 
So ist Hiobs Erwartung ganz und gar auf Gott gerichtet. Dass Gott ihm Gerechtigkeit widerfahren lässt, darum geht es ihm einzig und allein. Sonst erwartet er sich nichts mehr im Leben.

Davon, dass sein sehnlicher Wunsch schließlich dann doch in Erfüllung gegangen ist, wird in den letzten Kapiteln des Buches erzählt: Hiob darf Gott schauen, er wird in seiner Rechtschaffenheit bestätigt, - und sogar seine Gesundheit, seinen Wohlstand bekommt er zurück.
Gott erweist sich am Ende doch noch als gerecht, - wenn es auch zwischendurch nicht so ausgesehen hatte…

Für uns ist die Geschichte von Hiob ein Hinweis auf Jesus Christus. Auch Er hat unschuldig leiden müssen. Auch Er wurde von Gott bestätigt, - allerdings erst, nachdem er gestorben war, - durch seine Auferstehung von den Toten.

Wenn wir an Jesus denken, bekommen diese Worte Hiobs einen ganz anderen Klang: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, - ja, Jesus ist unser Erlöser, er lebt, weil er auferstanden ist. Er hat uns erlöst von Schuld und Tod, und er hat auch uns die Tür geöffnet zum Leben. Wir dürfen teilhaben an seiner Gerechtigkeit. Wir dürfen mit ihm leben „in ewiger Gerechtigkeit, Unschuld und Seligkeit“ (M. Luthers Kl. Kat.)

Durch Jesus haben wir die Gewissheit, dass wir Gott sehen werden. Was in diesem Leben ja nicht möglich ist, - es ist uns versprochen in jenem anderen Leben, das nach dem Tod auf uns wartet. Wir werden Gott schauen, - und das wird unsere Seligkeit sein.

All unsere Sehnsucht wird dann gestillt sein, alle Zweifel werden ausgeräumt sein, für alles, was uns rätselhaft erschienen war, wird das die Auflösung sein. Und es wird uns klar vor Augen stehen, dass Gott gerecht ist und dass er alles gut gemacht hat, - auch mit unserm Leben! Amen.

 

Ich weiß, dass mein Erlöser lebt,
das soll mir niemand nehmen.
Er lebt und was ihm widerstrebt,
das muss sich endlich schämen.
Er lebt fürwahr, der starke Held;
sein Arm, der alle Feinde fällt,
hat auch den Tod bezwungen.

Ich selber wird in seinem Licht
ihn sehn und mich erquicken,
mein Auge wird sein Angesicht
mit großer Lust erblicken.
Ich werd ihn sehen mir zur Freud
und werd ihm dienen ohne Zeit,
ich selber, und kein Fremder.

(038,1+3)