4. Sonntag nach Ostern

02.05.2021, 4. Sonntag nach Ostern, Kantate, zum Wochenspruch Psalm 98,1 von Pfr. Weiskopf

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

 

Liebe Gemeinde,


es ist schon ein empfindlicher Mangel, dass wir z.Z. wegen Corona in unseren Gottesdiensten nicht singen dürfen.


Singen ist Ausdruck der Lebensfreude


Singen ist Ausdruck der Lebensfreude und der Zuversicht. Beides schenkt uns Gott. Darum gehört das Singen zum Gottesdienst. Wir sagen Ja zu Gott, Ja zu Gottes Wegen, - und dieses Ja kommt von Herzen, wenn wir singen. 
Man kann alleine singen, - z.B. in der Badewanne, oder wenn man in den Keller geht, - man kann alleine singen und sich dabei selber wahrnehmen, seiner selbst gewiss werden.

Aber mit anderen gemeinsam zu singen, - das ist viel mehr: Das ist ein Geben und Nehmen, ein Zusammenklang, ein Miteinander, ein starkes Erleben von Gemeinschaft. Wir nehmen einander wahr als Menschen, die glauben und Ja sagen zum Leben. – Leider müssen wir im Moment auf diese Erfahrung noch weitgehend verzichten.


Wenn einem nicht danach ist zu singen


Es gibt Situationen, da ist einem auch so nicht zum Singen zumute. Wenn der Körper müde, und - noch mehr – wenn die Seele matt ist. Wenn die Lasten schwerer sind als man verkraftet. Wenn man genervt ist, missgestimmt, unruhig und unzufrieden. Wenn man gefangen ist in Zwängen, die einem kaum Luft zum Atmen lassen. Gerade in solchen Situationen kann ein Lied geradezu heilende Kraft entfalten.

In der Apostelgeschichte wird erzählt, wie Paulus und Silas in Philippi geschlagen werden, ins Gefängnis geworfen werden, und wie sie dort eine schlimme Nacht verbringen müssen. Wie einer von ihnen auf einmal anfängt, ein Glaubenslied zu summen, und der andere stimmt ein. Sie singen, und vergessen ihre Schmerzen. Und die anderen Gefangenen hören, wie sie Gott loben. Dieses Singen hat eine Kraft, die die ganze Situation verändert. Die Erde bebt, Fesseln fallen ab, Türen springen auf, die Gefangenen sind frei… (nachzulesen in Apg. 16).

Wunder geschehen, wo Menschen glauben, statt zu jammern und zu resignieren. Und wo sie geschehen, hat man umso mehr Lust zu singen und Gott zu loben…
 

Leichten Herzens Gott loben?


Es ist ja jetzt gerade nicht die Zeit, wo man leichten Herzens Gott loben kann. Zu viele Menschen sterben an diesem Virus, zu groß ist die Sorge, wie es nun weiter geht, und wann die Menschen endlich wieder aufatmen können.

Aber wir müssen uns auch nicht einfach abfinden mit dieser bedrückenden Situation. „Mach aus Sorgen ein Gebet!“ heißt es. Und: „Alle euere Sorge werft auf ihn, denn er sorgt für euch.“ (1.Pt 5,7)


Wunder erwarten


Wenn wir dem vertrauen, der Jesus von den Toten auferweckt hat, - dürfen wir dann nicht auch in dieser Corona-Pandemie auf seine rettende Macht hoffen? Sollten wir dann nicht auch Wunder erwarten – große und kleine, verborgene und offensichtliche, erklärbare und unerklärliche?

Und wenn wir diese Erwartung haben, dass wir Wunder erleben dürfen, - sollten wir dann nicht singen und Gott loben – für all die Wunder, die er schon getan hat und auch für die, die er noch tun wird?

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.
 

eine Art Zusammenspiel


Es scheint jedenfalls eine Art Zusammenspiel zu geben zwischen unserem Glauben und Gottes Bereitschaft, Wunder zu tun. Es ist so, als würde Gott auf unser Gebet und unseren Glauben warten, und als wollte er dann unser Vertrauen auch nicht enttäuschen.

Und wenn da, wie im Fall von Paulus und Silas, zwei sich einig sind im Lob Gottes, - wenn das Lob Gottes von Herzen kommt und vielleicht sogar nicht nur ein- oder zweistimmig erklingt, sondern vielstimmig, - dann sind die Voraussetzungen gegeben, dass ganz Neues geschehen kann, - wundersame Fügungen von Gott her und neue Begeisterung, Freude und Dankbarkeit auf Seiten der Menschen, die dann auch Ausdruck findet in neuen Liedern.

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.


Wer singt, feiert


Wer singt, feiert. Er / sie feiert den Augenblick. Der gegenwärtige Moment wird durch’s Singen hervorgehoben, er wird zu etwas Besonderem gemacht.

Wir haben Grund, den Augenblick zu Feiern – trotz all der Sorgen und trotz all des Schlimmen, das auf der Welt passiert, - weil wir glauben dürfen, dass in diesem Moment jetzt auch Gottes Wunder geschehen – überall auf der Welt!

Wunderbarer König, Herrscher von uns allen, lass dir unser Lob gefallen. Deine Vatergüte hast du lassen fließen, ob wir schon dich oft verließen. Hilf uns noch, stärk uns doch; lass die Zunge singen, lass die Stimme klingen. (327,1)