3. Sonntag nach Ostern

25.04.2021, 3. Sonntag nach Ostern, Jubilate, Frühlingsfest Hs. Perlenbach, Predigt zu Apg. 17,27b-31 von Pfr. Weiskopf

Fürwahr, Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir…
Nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er den Erdkreis richten will mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat.

 

Liebe Gemeinde,

 

Nahe wie die Luft

Gott ist uns so nahe wie die Luft, die wir atmen und von der wir leben. Wir sind von ihr umgeben und wir atmen sie ständig ein und aus. Fortwährend saugen wir sie in unsere Lungen ein und lassen sie wieder ausströmen, Tag und Nacht.
Wir brauchen das, wir gewinnen daraus Kraft, - Kraft aus der Luft, die uns unsichtbar umgibt. Ohne die Luft könnten wir nicht leben. Ganz ähnlich ist es mit Gott. Er ist uns so nahe wie die Luft: In ihm leben, weben und sind wir.

 

Nahe und doch fern?

Gott ist uns nahe, - aber: Ist er uns nicht auch irgendwie fern? Er ist halt für uns nicht sichtbar, - und da gilt doch die Regel: „Aus den Augen aus dem Sinn“. So kann es vorkommen, dass wir unsere Tage ganz gott-vergessen leben, ohne auch nur im mindesten an ihn zu denken. Wir sind mit unseren Herzen fern von ihm, - gerade so als würde er für uns keine Rolle spielen, und als ginge es auch ohne ihn.

 
Lebenszeichen von Gott

Aber Gott hat uns in Jesus Christus ein Lebenszeichen gegeben. Er hat sich in Erinnerung gebracht: „Passt auf, ich bin auch noch da! Mit mir ist noch zu rechnen!“ - Dieses Lebenszeichen war die Auferweckung des Jesus von Nazareth aus dem Tod. Da hat Gott sozusagen mit einem Paukenschlag den Lauf der Welt jäh unterbrochen und klar gemacht: Es geht nicht einfach immer so weiter, es soll nicht alles beim Alten bleiben, - nein, ich schaffe etwas Neues! Mit der Auferstehung Jesu hat diese neue Schöpfung begonnen, und seitdem wächst sie – mehr oder weniger im Verborgenen – bis einmal der Rahmen des Bisherigen gesprengt wird, und die neue Welt sichtbar wird.

 
Das Neue wächst im Verborgenen

Man könnte es vergleichen mit einer Schwangerschaft: Sie dauert ihre Zeit. Das neue Leben wächst im Verborgenen, und dann bei der Geburt wird es sichtbar.

Gottes neue Welt wächst im Verborgenen. - Äußerlich scheint es so, als würde die Ungerechtigkeit immer mehr überhand nehmen und die Kluft zwischen Arm und Reich immer größer werden. Äußerlich scheint es so, als würde die Zerstörung der Natur immer weiter voranschreiten, und als könnte es keinen dauerhaften Frieden geben auf Erden.

Was wir da überall beobachten können, ist nicht sehr ermutigend. Aber Gott lädt uns ein zu glauben und auf das zu schauen, was unseren Augen verborgen ist: Auf Seine schöpferische Kraft, die neues Leben schafft, auf seine Liebe, die rettet, was sonst verloren wäre! - Jesus Christus hat uns die Kraft und die Liebe Gottes bezeugt mit seinem Leben und seinem Sterben.

 
Ein Angebot, das Gott der Welt macht

Die Botschaft von seiner Auferstehung ist nun ein Angebot, das Gott der Welt macht:

  • Alle sind eingeladen, sich Gott zuzuwenden und auf seine schöpferische Kraft zu vertrauen.
  • Alle sind eingeladen, dem unsichtbaren Gott mehr zuzutrauen als allen Mächtigen dieser Welt, mehr als aller Wissenschaft und Technik.
  • Alle sind eingeladen zu entdecken, wie Gottes Kraft im Kleinen und im Verborgenen schon am Werk ist, – darin, dass Menschen glauben, lieben und hoffen, dass sie menschlich miteinander umgehen, und achtsam sind gegenüber ihren Mitgeschöpfen.
  • Alle sind eingeladen, der Kraft des Lebens mehr zuzutrauen als der Macht des Todes und der Zerstörung.

Die Kraft, die Jesus vom Tod auferweckt hat, wird wirksam in unserem Leben, wenn wir auf sie vertrauen. Aber wenn wir sie außer Acht lassen, dann können wir eigentlich nur verlieren. Man kann darum nur wünschen, dass möglichst alle dieses große Angebot Gottes annehmen!

 

Ein großer Countdown

Der Apostel Paulus sagt: Mit Jesu Auferstehung hat ein großer Count-Down begonnen. Eine Frist läuft seitdem ab. Eine Frist, in der die Menschen sich entscheiden müssen, ob sie sich einlassen wollen auf das Neue, das Gott schafft. Nur wenn wir „Buße tun“, d.h. umkehren zu Gott, haben wir Zukunft.

Wir entscheiden uns für’s Leben, wenn wir glauben. Wir sind „Zukunftsmenschen“, weil wir an den glauben, der uns Zukunft eröffnet, - sogar über den Tod hinaus.
Darum lasst uns nicht wehmütig zurückschauen wie die Frau von Lot, sondern zuversichtlich nach vorn schauen – im Vertrauen auf Gottes rettende Macht!

Kommt, atmet auf, ihr sollt leben. Ihr müsst nicht mehr verzweifeln, nicht länger mutlos sein.
Gott hat uns seinen Sohn gegeben, mit ihm kehrt neues Leben bei uns ein. (062)