3. Sonntag nach Epiphanias

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen

Kurze Predigt zu Rut 1,1-19a

 

1 Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen. 2 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort. 3 Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen. 4 Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten, 5 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann. 6 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte. 7 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren, 8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. 9 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten 10 und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen. 11 Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten? 12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde, 13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen. 14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr. 15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach. 16 Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. 17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden. 18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. 19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

 

Liebe Gemeinde,

 

Unser Bibelabschnitt aus dem Buch Rut im Alten Testament enthält die bekannten Worte, die oft bei Trauungen zitiert werden:

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

Die Worte klingen ja auch wie ein feierliches Trauversprechen, aber ursprünglich stehen sie in einem ganz anderen Zusammenhang. Es war keine Hochzeit, sondern eher eine Tief-Zeit, in der diese Worte gesprochen wurden. Die Geschichte spielt in Moab, einem Nachbarland von Israel. Zwei Brüder waren kurz nacheinander verstorben, und die beiden Ehefrauen Orpa und Rut waren nun Witwen geworden. Kinder hatten sie beide keine.

Und da war noch Noomi, die Mutter der beiden Männer, die verstorben waren, eine Israelitin. Noomi wollte nach diesen bitteren Schicksalsschlägen wieder zurück in ihre Heimat. Sie hoffte, dass sie dort vielleicht bei Verwandten unterkommen konnte. Und sie wollte ihren beiden Schwiegertöchtern nicht zur Last fallen.

Ich will euch nicht zur Last fallen“, - das ist oft der Wunsch von älteren Menschen. Früher waren sie für die Kinder da und haben sie unterstützt, - und jetzt im Alter wollen sie ihnen wenigstens nicht zur Last fallen, wenn sie sonst schon nichts für sie tun können. Noomi wollte sich darum von ihren Schwiegertöchtern verabschieden. „Lebt ihr euer Leben, sucht euch wieder einen Mann. Ich will zurück in meine Heimat. Lebt wohl!“

Aber Noomi hatte nicht mit der Anhänglichkeit der Rut gerechnet. Orpa, die andere Schwiegertochter, nahm schweren Herzens Abschied und ging zurück. Aber Rut wollte nicht weg, sie wollte partout bei Noomi bleiben. Sie war sogar bereit, mit ihr in ein für sie fremdes Land zu ziehen. So sehr hing sie an Noomi.

Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott…

Aus den Worten der Rut wird deutlich, dass Noomi für sie alles andere als eine Last ist. Im Gegenteil: Noomi ist für Rut der wichtigste Mensch, sie ist für sie Halt und Stütze. Rut kann und will nicht ohne sie leben. So wertvoll ist sie ihr.

Was ist es, das Noomi für Rut so wertvoll macht? - Geld oder materieller Besitz kann es nicht sein, - das hat sie nämlich nicht zu bieten. Es kann nur etwas sein, was in ihrer Person liegt: Herzlichkeit etwa, Aufrichtigkeit, Verständnis, Mitgefühl, Verlässlichkeit. - Eigenschaften, durch die Vertrauen entsteht und Liebe. Und wo Liebe ist, empfindet man einander nicht als Last, sondern als Geschenk. Und selbst, wenn es Lasten zu tragen gibt, - sie wiegen nicht schwer, wenn sie aus Liebe getragen werden.

Der Weg, für den Rut sich entschieden hat, erweist sich im Folgenden als ein guter Weg. Sie kann in Israel Fuß fassen und sich gesellschaftliche Achtung erwerben. Ihre Geschichte steht in der Bibel, weil der große König David einer ihrer Nachkommen war. Als Uroma mit Migrationshintergrund findet sie im königlichen Stammbaum Erwähnung. Aber nicht nur das: Vorbehalte und Vorurteile gegen Ausländer werden durch ihr Beispiel widerlegt. Rut ist für die Israeliten zu einem Vorbild in Sachen Liebe und Treue geworden, - und sie kann es auch für uns sein. Wie Rut ihre Entscheidung nicht bereut hat, so werden auch wir es nicht bereuen, wenn wir aus Liebe neue Wege gehen: Wege für andere, Wege mit anderen, gemeinsame Wege. Da liegt ein Segen darauf. Amen.

 

1. Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist, weil Leben heißt: sich regen, weil Leben wandern heißt. Seit leuchtend Gottes Bogen am hohen Himmel stand, sind Menschen ausgezogen in das gelobte Land.

2. Vertraut den neuen Wegen und wandert in die Zeit! Gott will, dass ihr ein Segen für seine Erde seid. Der uns in frühen Zeiten das Leben eingehaucht, der wird uns dahin leiten, wo er uns will und braucht.

3. Vertraut den neuen Wegen, auf die uns Gott gesandt! Er selbst kommt uns entgegen. Die Zukunft ist sein Land. Wer aufbricht, der kann hoffen in Zeit und Ewigkeit. Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit. (EG 395)