2. Sonntag nach Trinitatis

13.06.2021, 2. Sonntag nach Trinitatis, Predigt zu Lukas 14,15-24 von Pfr. Weiskopf

…Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch, dass keiner der Männer, die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.

Liebe Gemeinde,

 
Wie ein Gastgeber
 

Gott lädt uns ein wie ein Gastgeber, der ein Fest veranstaltet. Und man könnte meinen, dass doch alle einer solchen Einladung gerne folgen werden. Aber dem ist leider ganz und gar nicht so: Das Fest Gottes droht sogar zu scheitern, weil so viele Absagen kommen, und weil die Eingeladenen etwas anderes vorhaben. „Ich habe einen Acker gekauft und muss ihn besehen, ich habe fünf Gespanne Ochsen gekauft…, ich habe eine Frau genommen, darum kann ich nicht kommen“
Statt die Einladung dankbar anzunehmen und sich darüber zu freuen, erteilen sie dem Gastgeber eine Absage.

 
Andere Dinge sind in den Mittelpunkt gerückt
 

Andere Dinge sind für sie in den Mittelpunkt gerückt.

  • Nicht was Gott ihnen schenkt, sondern das, was sie sich selber erarbeiten, kaufen und erwerben.
  • Nicht die Freude an Gottes Güte, sondern der Stolz, sich etwas leisten zu können.
  • Nicht das Glück, zur Gemeinschaft zu gehören und mitfeiern zu können, sondern die Befriedigung, etwas für sich allein zu haben und zu besitzen.
  • Wegen ihrer ich-bezogenen Einstellung ist ihnen das Fest nicht wichtig.

Der Hausherr ist zornig, so erzählt Jesus in dem Gleichnis. Die Absagen sind für den Hausherrn eine Kränkung. – Muss es nicht auch Gott kränken, wenn wir seine Einladung ausschlagen, und wenn uns andere Dinge immer wichtiger sind?

 
Andere Gäste - andere Maßstäbe
 

Der Hausherr in dem Gleichnis zieht überraschende Konsequenzen: Er hilft sich, indem er einfach andere Gäste einlädt, nämlich die, die ursprünglich nicht eingeladen waren: Die Schwachen der Gesellschaft, die Außenseiter, die Kranken und Behinderten, die Kaputten, die Obdachlosen am Straßenrand. - Bei denen kann sich der Hausherr wenigstens sicher sein, dass sie sich über seine Einladung freuen und sie dankbar annehmen.

Bei Gott gelten also andere Maßstäbe: Nicht die Angesehenen, die Frommen, auch nicht die Reichen und Schönen haben bei ihm den Vorzug, sondern die, die unwert sind in den Augen der Menschen, die Gescheiterten, die Sünder, die Verlorenen. Sie liegen ihm besonders am Herzen. Er will ihnen etwas Gutes tun, er will sie dabei haben bei seinem Fest.

Andere dagegen will er offenbar nicht dabei haben: Das sind die Ich-Bezogenen, die sich selbst und ihre eigenen Wünsche an die erste Stelle setzen. Die lieber ihr eigenes Leben leben wollen, als Gottes Ruf zu folgen. Die lieber sich selber feiern, als Gott die Ehre zu geben.

 
Gott-bezogen leben – ein Fest
 

Wir sind eingeladen, Gott-bezogen zu leben: Wir dürfen uns als seine Gäste betrachten, die er reichlich bewirtet. Wir sollen ihm dankbar sein als unserem Gastgeber. Und das „Festprogramm“ unsres Lebens – das bestimmt Er, der Gastgeber, nicht wir! 
Als Gäste sind wir einander gleichgestellt, wir sind eine große Festgemeinschaft zusammen mit all den anderen, die eingeladen sind. Wir können mit unserem Verhalten dazu beitragen, dass es nicht nur für uns, sondern auch für die anderen ein schönes Fest wird.

Das Fest, an dem wir teilnehmen dürfen, ist ein Fest der Barmherzigkeit und der Liebe. Es ist die Liebe des Gastgebers, die die Gäste zusammenbringt.
Barmherzigkeit und Liebe sollen unseren Umgang miteinander bestimmen, – wie wir mit unsren Mitmenschen umgehen und auch mit unseren Mitgeschöpfen, den Tieren und Pflanzen.

Wo Barmherzigkeit und Liebe sind, da wird das Leben zum Fest. Selbst da, wo Leid und Kummer ist, und wo Tränen fließen, da kann es Linderung und Trost geben durch Barmherzigkeit und Liebe. Und der/die Betreffende spürt, dass auch er/sie nicht vergessen ist von Gott, sondern eingeladen zum Fest des Lebens.

 
Das Fest Gottes beginnt schon jetzt
 

Das Fest Gottes beginnt nicht erst nach dem Tod im Jenseits einmal, es beginnt schon jetzt – mitten in dieser Welt voller Leid und Schmerzen. So festlich-tröstlich, wie es damals bei Jesus war, kann es auch bei uns schon immer wieder sein, wenn die Barmherzigkeit und die Liebe im Vordergrund stehen. 
Lassen wir uns also hier schon einladen zum Fest Gottes. Wenn es für uns nicht jetzt in diesem Leben schon beginnt, dann wird es für uns auch nach dem Tod kein Fest geben.

 

Von Gott kommt diese Kunde: mein Leben ist ein Fest,
das mich in jeder Stunde mein Leben feiern lässt.
Als hohes Unterpfand aus Gottes Schöpferhand,
die mich in dieser Welt begleitet, trägt und hält. (614,1)