2. Sonntag nach Ostern

18.04.2021, 2. Sonntag nach Ostern, „Hirtensonntag“ Predigt zu Hesekiel 34,2;11;16;31 von Pfr. Weiskopf

 

So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?
Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen
Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.
Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.


Liebe Gemeinde,

 

dass Jesus auferstanden ist, das feiern wir an diesen Sonntagen nach Ostern. Er lebt, – und darum kann er für uns der gute Hirte sein, der auf uns Acht gibt, der uns leitet, dass wir uns nicht verlaufen, und der uns beieinander hält als seine Herde.

Wir sind nicht uns selbst überlassen, nicht schutzlos preisgegeben, - Jesus ist bei uns, und darum müssen wir uns nicht fürchten, - vor niemand und nichts.

Durch Jesus hat Gott sein Versprechen wahr gemacht: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen. Und er hat am Kreuz bewiesen, wie ernst es ihm mit seinem Versprechen war. So sehr liegen wir ihm also am Herzen! So wertvoll sind wir ihm, dass er sich ganz für uns einsetzt! - Da steht es doch gar nicht so schlecht um uns! Auch wenn wir das vielleicht manchmal denken.

Aber wenn der Chef selber aktiv wird, dann hat das meistens seine Gründe. Das macht er nur, wenn er merkt, dass seine Leute die Lage nicht im Griff haben. Oder – noch schlimmer - wenn er merkt, dass er sich auf seine Leute nicht verlassen kann. Das ist auch der traurige Hintergrund der fröhlichen Osterbotschaft: Die Hirten haben sich nicht bewährt, darum musste der Oberhirte selbst die Sache in die Hand nehmen.

Hirten – damit sind die Regierenden gemeint, die Machthaber, die politischen und religiösen Anführer, die Chefs und Vorgesetzten. Als Hirten haben sie den Auftrag, dafür zu sorgen, dass es der Herde gut geht. Aber viele von ihnen nutzen ihre Machtstellung dazu, sich selbst zu bereichern und persönliche Vorteile daraus zu ziehen. Und das zum Schaden derer, die ihnen anvertraut sind. Das gab es damals, und das ist leider auch heute eher die Regel als die Ausnahme. Wir könnten da viele Beispiele aufzählen.

Aber wir sollen nicht nur auf „die da oben“ schimpfen, nicht nur mit den Fingern auf andere zeigen. Nein: Jeder und jede von uns muss sich bewusst sein: Wir sind beides, - wir sind Schafe und wir sind zugleich auch Hirten. Auch wenn ich kein Vorgesetzter bin, der für viele verantwortlich ist, - trotzdem habe auch ich Verantwortung für Menschen neben mir. Gott will, dass ich mich um sie kümmere und für sie da bin, wenn sie mich brauchen.

Es ist schön, wenn man weiß, dass man gebraucht wird. Anderen helfen und beistehen, das gibt dem Leben Sinn und Erfüllung, - außer wenn man sich überfordert fühlt, und die Verantwortung über die Kräfte geht.

Aber oft ist es so, dass wir es uns zu leicht machen. Wir stehlen uns aus dieser Verantwortung - mit mehr oder weniger fadenscheinigen Ausreden. Wir suchen uns aus, mit wem wir Kontakt pflegen, - am liebsten mit denen, die uns sympathisch sind und uns in den Kram passen.

Aber was ist mit denen, die wir links liegen lassen? Was ist mit den Unscheinbaren und Unbeliebten, den Ungeschickten und Unzulänglichen, den Nervigen und Abstoßenden, den Ausgestoßenen, den Verlorenen? Wer kümmert sich um sie?
Da hat uns Jesus ein Beispiel gegeben und uns gezeigt, was einen guten Hirten ausmacht: Dass er für alle da ist und keine Unterschiede macht. Jesus war allen gleichermaßen zugewandt und hat sie angenommen: Reiche und Arme, Starke und Schwache, Gesunde und Kranke, Gerechte und Sünder, Pharisäer und Zöllner, Angesehene und Außenseiter.

Auch uns nimmt er an, so wie wir sind, und ist für uns da als der gute Hirte, - obwohl wir sagen müssen, wir haben seine Wertschätzung nicht verdient. Sollte seine Liebe uns nicht ein Ansporn sein, es genauso zu machen? Uns auch denen freundlich zuzuwenden, die uns nicht so liegen? Auch denen Aufmerksamkeit zu schenken, die uns nicht besonders liebenswert erscheinen?

Gott schenkt uns seine Liebe und Fürsorge einfach so, ohne Gegenleistung. Können wir es denn nicht auch so machen? Wir haben in Jesus, dem Auferstandenen, einen starken Rückhalt. Er gibt uns Zuversicht, er macht uns Mut, uns um andere zu kümmern. Wir können Hirtendienst tun in seinem Namen.

 

Christus, das Heil der Welt. Welch ein Grund zur Freude! Weil er uns lieb hat, lieben wir einander. Er schenkt Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen. Ehre sei Gott, dem Herrn! (EG 410,2)