2. Sonntag der Passionszeit

28.02.2021, 2. Sonntag der Passionszeit, Kurzpredigt über Joh 3,14-17 von Pfr. Weiskopf

Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden, damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

 

Liebe Gemeinde,

 

im Alten Testament ist von einer Schlangenplage berichtet, die die Israeliten in große Bedrängnis brachte. Und Mose bekam von Gott den Auftrag, eine eherne Schlange an einem Stab hoch aufzurichten, so dass sie für alle sichtbar war. Wer nun zu der ehernen Schlange aufblickte, dem konnten die Schlangenbisse nichts anhaben, er war gerettet.

Diese Geschichte greift der Evangelist Johannes auf und sagt: Genauso ist Jesus bei seiner Kreuzigung aufgerichtet worden zur Rettung der Menschen: Wer zu ihm aufblickt und an ihn glaubt, der ist gerettet zum ewigen Leben.

Eigenartig: Jesus mit diesem Schlangensymbol zu vergleichen! - Aber vielleicht hilft uns dieser Vergleich ja, das Kreuz „mit anderen Augen zu sehen“? Darstellungen des gekreuzigten Jesus sind für uns ein sehr geläufiger Anblick. – Wenn wir einmal bewusst hinschauen, - was sehen wir da?

Zunächst einfach etwas Grausames: Da wird ein Mensch qualvoll hingerichtet, für alle sichtbar. - Mit solchen Maßnahmen haben die Römer ihre Macht demonstriert. So wollten sie sich Respekt verschaffen und den Leuten Angst einjagen, so dass niemand es wagte, gegen die Römer aufzumucken.

Das Kreuz – ein Mahnmal staatlicher Unterdrückung und der Unmenschlichkeit – als solches ist es sehr wohl auch in der heutigen Zeit aktuell! Am Kreuz sehen wir einen, der den Menschen die Liebe Gottes verkündigt und gebracht hat, - friedlich und ohne Gewalt, - der also unschuldig hingerichtet wurde, - allein deswegen, weil er der religiösen Führung ein Dorn im Auge war.

Sie haben das Recht gebrochen, um ihre Macht zu erhalten. Sie haben die Wahrheit unterdrückt, sind über Leichen gegangen. – Auch das geschieht bis heute an vielen Orten, leider. Am Kreuz werden die Schattenseiten menschlicher Machtausübung beispielhaft sichtbar: Ungerechtigkeit, Bosheit, Gewalt, Zerstörung.

Wir sehen am Kreuz, was die Menschen kaputtmacht. – Ganz ähnlich, wie die Israeliten damals in dem Schlangenbild genau das vor Augen hatten, was sie kaputt machte.

So gesehen ist das Kreuz ein Symbol des Todes.
Aber entscheidend ist doch, WER da am Kreuz hängt. Ist er nicht der Sohn Gottes? Erst durch seinen Tod hat es sich als wahr erwiesen, dass er es ist. Denn er ist nicht im Tod geblieben, er ist auferstanden. Seine Feinde haben ihn nicht wirklich kaputt machen können. Das Kreuz ist zwar ein Symbol des Todes, - aber der da gekreuzigt wurde, ist stärker als der Tod. Wir sehen am Kreuz den Sieg des Lebens über den Tod, den Sieg des Guten über das Böse, den Sieg der Liebe über den Hass.

So ist das Kreuz für uns ein gutes Zeichen, - ein Zeichen der Hoffnung, dass am Ende noch alles gut ausgehen wird.

Der Vergleich mit dem Schlangensymbol lehrt uns aber noch etwas weiteres: Nämlich, dass das Kreuz mehr ist als nur ein Zeichen, ein Hinweis, ein Symbol. Nein, es ist mehr, - es ist eine Art Heilmittel, - eines das sofort wirkt! So wie der Blick auf die eherne Schlange denen Rettung brachte, die sonst am Schlangengift gestorben wären, - so bringt uns der Blick auf den Gekreuzigten Rettung, und zwar „augenblicklich“, mit sofortiger Wirkung!

Es ist gut für uns, auf das Kreuz zu blicken und zu dem gekreuzigten Jesus aufzuschauen. Es tut uns gut, - in unseren Nöten und Sorgen, in unseren Enttäuschungen und Traurigkeiten, in unseren Anfechtungen und Zweifeln.
Es tut uns gut, wenn wir uns erinnern lassen, was Jesus durchgemacht hat. Er ist ganz bei uns, er kann mitfühlen.
Und – das Allerwichtigste – er hat all das überwunden, was uns so zu schaffen macht! Er verwandelt den Fluch in Segen, er macht aus dem Bösen noch etwas Gutes!

Schauen wir hin, lassen wir uns anrühren, nehmen wir sie in uns auf, die heilende Kraft, die von dem Gekreuzigten ausgeht!

Amen.

 

Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben; in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben. Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil, dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil.

EG 87,3