1. Sonntag nach Epiphanias

Eine Predigt von Pfarrer Weiskopf

Ich lese die Geschichte von der Taufe Jesu, wie sie im Markusevangelium steht (Mk 1,9-11):

Und es begab sich zu der Zeit, dass Jesus aus Nazareth in Galiläa kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan. Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, dass sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn. Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

 

Liebe Gemeinde,

 

Zuspruch brauchen wir alle immer wieder.
- Dass uns Anerkennung ausgesprochen wird,
- dass uns Mut zugesprochen wird,
- dass uns das Vertrauen oder die Zuneigung von jemand bestätigt wird.

Solchen Zuspruch brauchen wir – so sehr, dass, wenn wir ihn nicht bekommen, wir seelisch aus dem Gleichgewicht geraten. Auch in unserem Glauben, in unserer Beziehung zu Gott, brauchen wir immer wieder diesen Zuspruch: „Du bist Gottes Kind. Du bist von ihm geliebt und gewollt. Fürchte dich nicht!“

Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen, sagt die Stimme vom Himmel zu Jesus.

Auch Jesus hatte diesen Zuspruch nötig. Für den Evangelisten Markus ist klar, dass Jesus ein ganz normaler Mensch war wie wir auch. Auch sein Glaube musste gestärkt werden. Auch sein Vertrauen zu Gott wäre ohne diesen Zuspruch verkümmert und kraftlos geworden.

Und wir können wohl davon ausgehen, dass es auch für Jesus gar nicht alltäglich war, dass die Stimme Gottes vom Himmel herunter zu ihm spach. Es war ein besonderer Moment, eine Sternstunde, etwas Einmaliges, etwas, von dem er zehren konnte auch in Zeiten, wo er Gottes Nähe nicht so unmittelbar spürte.

Und dieses besondere Erlebnis hatte Jesus im Zusammenhang mit seiner Taufe durch Johannes den Täufer. Die Taufe war ein symbolischer Reinigungsakt: Reinigung von Sünden, neu anfangen mit dem Vorsatz, künftig ein besseres Leben zu führen. Johannes der Täufer hat die Leute aufgerufen, ihr Leben zu ändern, weil das Kommen des Messias unmittelbar bevorstehe. Jetzt ist es soweit – das war seine Botschaft. Wer sich jetzt nicht bereit macht, der wird es bereuen. Die Leute sind scharenweise zu Johannes gekommen, haben seine Botschaft ernst genommen und sich taufen lassen, damit sie bereit waren, wenn der Messias kam.

Nun kann man sich fragen, warum denn Jesus auch zu Johannes dem Täufer gegangen ist und sich taufen ließ. War er nicht selbst der angekündigte Messias? Bei dem Evangelisten Matthäus – wir haben es vorhin gehört – stellt Johannes der Täufer selbst diese Frage. „Warum kommst du zu mir? Warum lässt du dich taufen?“ Wir können uns vorstellen, dass Jesus auf diese Frage geantwortet hätte: „Warum sollte ich mich nicht taufen lassen? Bin ich nicht ein Mensch wie ihr? Und: Niemand ist gut als Gott allein. Ich will Gott die Ehre geben, die ihm allein zusteht.“

Jesus – ein Mensch wie wir. Mehr wollte er nicht sein. Er war sich nicht zu gut, ganz herabzusteigen. Bis zu uns. Er ist unser Bruder geworden. Er hat keinen Unterschied gemacht zwischen sich und all den anderen, die da zu Johannes dem Täufer kamen – Menschen wie wir.

Jesus – ein Mensch ohne Allüren, ohne Arroganz, ohne den Anspruch, etwas Besseres zu sein – obwohl dieser Anspruch bei ihm ja sogar berechtigt gewesen wäre.

Jesus – der Mensch, der sich zu den Menschen stellt, und der nur eines wollte: nämlich als Mensch Gott die Ehre geben.

Nicht wie wir,

  • die wir gerne ein bisschen Ehre für uns selbst haben wollen,
  • die wir uns gerne ein Stück über andere stellen,
  • die wir uns anmaßen, andere zu beurteilen und zu verurteilen,
  • und die wir so leicht vergessen, dass Gott uns selber auch verurteilen könnte.

Jesus stellt sich zu den Menschen – und bekommt dafür Anerkennung von höchster Stelle. Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

Gottes Wohlgefallen ruht auf denen, die nicht selbstgefällig sind, nicht eingebildet, nicht von sich eingenommen. Jesus kann uns da ein Vorbild sein. Er ist der Mensch, wie er sein soll. Und sein Weg, der Weg nach unten, das ist der Weg, den wir auch gehen sollen, der Weg, wo Gottes Wohlgefallen auch auf uns ruht.

Es ist ja vielleicht nicht ohne Bedeutung, dass die Taufe Jesu am JORDAN stattfand. Der Jordangraben liegt bis zu 400 m unter Normal Null, also weit unter dem Meeresspiegel. Fast so tief unten ist auch die Stelle, wo Johannes die Menschen taufte. Man musste weit hinuntersteigen, um dahin zu kommen. Jesus ist uns diesen Weg vorangegangen, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich, den Weg nach unten.

Und wenn wir auch diesen Weg gehen, hat Gott Wohlgefallen daran und wir bekommen von ihm vielleicht auch hier und da ein Zeichen seines Wohlwollens, seiner Gnade, einen Zuspruch, der uns Mut macht und uns bestärkt auf unserem Weg.

Dass Jesus unser Bruder geworden ist, das ist ja eigentlich schon der beste Zuspruch, den Gott uns geben kann. Wir sind ja auch getauft, wir gehören zu Jesus. Wir sind sozusagen auf die richtige Spur gesetzt, dass wir ihm nachfolgen auf seinem Weg – dass wir Mit-Menschen werden, Schwestern und Brüder, und Gott die Ehre geben.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbitten

Ewiger Gott,
in deinem Sohn hast du uns das wahre Leben offenbart:
Lass sein Licht aufstrahlen in unseren Herzen.
Mache uns bereit, den Menschen zu dienen, wie dein Sohn es getan hat.
Gib uns die Kraft, uns einzusetzen für die Bewahrung deiner Schöpfung.
Führe du alle Menschen auf den Weg des Friedens und der Versöhnung.
Wir bitten für alle, die ihre Kinder taufen lassen wollen, und für alle, die sich auf ihre Taufe vorbereiten: Schenke ihnen deinen Geist.
Wir bitten für alle, die in irgendeiner Not sind und nicht mehr weiterwissen: Lass sie Hilfe erfahren. Zeige uns, wie wir helfen können.
Wir bitten für deine Gemeinde, die durch die gegenwärtige Corona-Pandemie so arg beeinträchtigt ist: Hilf du, miteinander Kontakt zu halten. Gib, dass wir wieder ohne Angst zusammenkommen können.
Wir danken dir, dass uns nichts von deiner Liebe trennen kann, um Jesu Christi, deines Sohnes willen.

Amen.