1. Sonntag der Passionszeit

21.02.2021, Invokavit, 1. Sonntag der Passionszeit Kurzpredigt zu Joh 13,21-27 von Pfr. Weiskopf

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete. …Einer fragte ihn: Herr, wer ist's? Jesus antwortete: Der ist's, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot. Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!

 

Liebe Gemeinde,

 

„Was ist denn in dich gefahren?“ – fragen wir manchmal, wenn jemand sich auf einmal komisch verhält. „Du warst doch vorher nicht so?“

Auch mit dem Jesus-Jünger Judas Iskariot war eine Veränderung vorgegangen. Der Evangelist Johannes erklärt diese Veränderung mit drastischen Worten: Der Satan hat von ihm Besitz ergriffen und ist in ihn hineingefahren. Ich stelle mir vor, wir könnten den Judas selber fragen: „Judas, was ist denn in dich gefahren? Du willst Jesus verraten? Woher kommt denn auf einmal dieser Hass gegen ihn? Hast du nicht zu seinen engsten Freunden gehört?“

Da würde Judas vielleicht antworten: „Es war ein Riesenfehler, dass ich auf DEN reingefallen bin. Dieser Mann ist eine einzige Enttäuschung. Ich hab allen Grund, ihn zu hassen! Was haben wir für große Hoffnungen in ihn gesetzt, - und was macht er? Er spricht davon, dass er bald sterben wird. Und anscheinend findet er das auch noch o.k., er faselt davon, dass das Gottes Plan mit ihm sei. Der spinnt doch! Er will uns nur alle mit ihm ins Verderben reißen, - ich denke, es ist höchste Zeit abzuspringen vom sinkenden Schiff, - und da will ich ihm wenigstens zum Abschied noch einen gehörigen Tritt verpassen, - er soll es spüren, was er mir angetan hat!“ - So oder ähnlich könnte Judas gedacht haben.

Liebe Gemeinde, das Böse, das ist nichts anderes als die bösen Gedanken, die sich manchmal in uns festsetzen – weil wir z.B. wütend sind, verletzt und enttäuscht, weil wir das Gefühl haben, wir selbst sind Opfer eines bösen Spiels geworden.

Ob das nun wirklich zutrifft oder nicht, - wir fühlen uns dann jedenfalls im Recht, wenn wir selber auch böse werden, - schließlich ist unser Verhalten doch nur die Antwort auf das Böse, das uns widerfahren ist… - Aber wir merken dabei nicht, wie wir auf einmal selbst vom Bösen beherrscht sind.

Ach Gott! – wie kann so ein Teufelskreis durchbrochen werden? Wie können Menschen wieder frei werden von bösen, hasserfüllten Gedanken? Wie kann dieser Durst nach Rache gestillt werden, dieses krankhafte Verlangen nach Genugtuung für ein verletztes Ego?

Das kann nur geschehen, wenn ein Mensch LIEBE spürt. Nur Liebe, die annimmt und verzeiht, kann den Hass entkräften und die Macht des Bösen brechen. Liebe, wie sie JESUS verkörpert hat, - bei ihm konnte man sie spüren und erfahren wie nirgends sonst. Der Jünger Judas war ja eigentlich nahe dran an Jesus, er hat wohl diese Liebe gespürt, - aber irgendwann muss er sich ihr verschlossen haben. Irgendwann wollte er sie nicht mehr wahrhaben.

Was ist, wenn man sich gegen Jesus stellt, wie Judas es getan hat, - wenn man die Liebe nicht annimmt, die einem helfen könnte? Wenn man den wegstößt, der Heilung bringt und Befreiung von dem Bösen? – Ist man dann nicht rettungslos verloren? Da hätte dann das Böse bzw. der Böse sein Ziel erreicht.

Bei Judas Iskariot scheint es so gewesen zu sein. Er hat nicht begreifen wollen, dass nur die Liebe uns weiterbringt, und dass es wirklich Gottes Weg war, den Jesus ging. Nur durch Leiden und Sterben hat er dieser Welt Erlösung bringen können. Das war sein Weg: Lieber leiden als anderen Gewalt antun. Lieber Böses ertragen als anderen Böses tun. Lieber sterben als andere zum Opfer zu machen. - Diesen Weg der Liebe ist Jesus für uns gegangen, - Gott-sei-Dank!

Judas hat mit seinem Verrat dafür gesorgt, dass die Feinde von Jesus leichtes Spiel hatten. Noch am gleichen Abend konnten sie Jesus verhaften, weil Judas sozusagen die Einsatzleitung übernahm. Das war für Jesus sicher ein besonderer Schmerz, dass einer von seinen Jüngern ihn an seine Feinde verriet. Judas war doch sein Freund gewesen, - und auf einmal dieser Hass, diese Feindschaft! - Es tut weh, so etwas zu erleben. Es macht einen traurig und ratlos.

Auch diese bittere Erfahrung blieb Jesus nicht erspart, - eine Erfahrung, die viele Menschen schon gemacht haben: Gebrochenes Vertrauen, betrogen und hintergangen werden, Böses ernten, wo man Gutes gesät hat… Der Schmerz gehört zur Liebe. Wer liebt, macht sich verletzlich. Aber Enttäuschungen sollen uns nicht abbringen vom Weg der Liebe! So wie Jesus sich nicht hat abbringen lassen.

Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott (Joh 4,16)
Amen.